Rezensionen | AIB 96 / 3.2012 | 30.10.2012

Der Lärm der Grillen

Edorta Jimenez

Der von Edorta Jimenez in der baskischen Bibliothek Zubiak herausgegebene Roman, versetzt den_die Leser_in in das Baskenland der 1930er Jahre. Der Hauptprotagonist Uriarte, ehemaliger Agent der ersten baskischen Republik, deren Autonomiestatut am 1. Oktober 1936 von dem spanischen Parlament angenommen wurde, bekommt in hohem Alter Besuch von einem ihm unbekannten jungen Mann. Der sich daraus entspannende Dialog führt Uriarte zurück in die Kämpfe um die spanische Republik und die Intervention der Faschisten.

In einem Geflecht von unterschiedlichen Momentaufnahmen, werden Erinnerungen an militärische Auseinandersetzungen mit den faschistischen Truppen Francos lebendig. Diese Darstellungen sind nicht geprägt von Heldentum oder militärischem Stolz, vielmehr scheuen sie sich dabei nicht, auch die Schrecken eines Krieges in ihrer ganzen Bedrücktheit zu zeigen. Bildet dies zwar den Rahmen der Erzählung, erschöpft sich der sehr lesenswerte Roman aber nicht darin. Kollaboration und Fluchthilfe für Faschisten erschweren nicht nur die Arbeit des Agenten, sondern beschäftigen auch den alten Uriarte, der mit offenen Fragen einer nicht stattgefundenen Aufarbeitung dieser Epoche in die Zukunft blickt. Im Angesicht des Vormarsches faschistischer Truppen auf Bilbao begegnet Uriarte dabei nicht nur so bedeutenden Persönlichkeiten wie Robert Capa, der die beschriebenen Erinnerungen fotografisch festgehalten hat, sondern auch der geheimnisvollen Elena, mit der er eine vom Schatten des Krieges begleitete Affäre beginnt. Doch »der Verlauf des Krieges ließ für Liebesgeschichten wenig Platz. Der Geschützdonner rückte immer näher«. Für beide belastend kommt hinzu, dass »niemand im Krieg so sehr gehasst wird wie der Verräter, wohl war. Im Krieg genauso wie in der Liebe.«

Edorta Jimenez:
Der Lärm der Grillen
Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn 2007; S. 201
ISBN 978-3-89144-381-1