Rezensionen | AIB 116 / 3.2017 | 23.12.2017

Der Block

Jérôme Leroy

Jérôme Leroy legt mit diesem in Frankreich bereits 2011 erschienenen Roman eine Milieustudie vor und zeichnet die Geschichte und die Allianzen der französischen extremen Rechten fast minutiös nach.  Er beschreibt ein Land im Ausnahmezustand in dem fast alle Dämme gebrochen sind und die feine Schale der Zivilisation nur noch den Schein demokratischer Rechtsstaatlichkeit aufrechterhält. Eine Dystopie, die gar nicht so weit weg erscheint. In den Vororten gibt es Aufstände und das Fernsehen blendet die Toten auf beiden Seiten ein, als ginge es um das Ergebnis eines Fußballspiels.

Leroy siedelt seinen Kriminalroman im neofaschistischen Milieu des ‚Block Patriotique‘ an und verschleiert dabei kaum,  welche französische Partei gemeint sein könnte. Die beiden Protagonisten, Antoine, der verhinderte Schriftsteller und Propagandaleiter der Partei und Stanko, der brutale Chef des parteiinternen Sicherheitsdienstes, der nun in Ungnade gefallen ist und auf seine von ihm selbst ausgebildeten Häscher wartet, reflektieren ihren bisherigen Weg während einer Nacht und legen dabei fast 40 Jahre französischer Geschichte offen, die eine durchaus differenzierte Welt aus Politik, Gewalt, Bigotterie und Manipulation entstehen lassen. Die langjährigen Freunde müssen sich bis zur letzten Konsequenz in ihre selbst gewählten Rollen einfügen, um ihren Hunger nach Macht, Gewalt und Relevanz stillen zu können. Es geht für sie um alles oder nichts. Die Macht auf der einen Seite, der Tod auf der anderen. Ein Ministerposten für den einen, durch seine eigenen Waffen getötet zu werden für den anderen.

Die Unbehaglichkeit, die einen beim Lesen unweigerlich befällt, soll aufrütteln und bewusst machen, was viele noch als pessimistische Zukunftsvision verlachen. Auch wenn Leroys Werk in Frankreich spielt, so sind ähnliche Entwicklungen doch in ganz Europa zu verzeichnen. Die Stärke dieses Romans liegt in der schonungslosen Analyse und der aufklärerischen Intention, ohne in moralinsaure Zeigefingerrethorik zu verfallen.

Jérôme Leroy
Der Block
Edition Nautilus, 2017
ISBN 978-3-96054-037-3
320 Seiten, 19,90 Euro