Rezensionen | AIB 122 / 1.2019 | 16.07.2019

The Antifa Comic Book. 100 Years of Fascism and Antifa Movements

Gord Hill

Das „Antifa Comic Book. 100 Years of Fascism and Antifa Movements“ hält, was es verspricht. Einhundert Jahre Geschichte von Faschismus und antifaschistischem Widerstand drängen sich auf 112 dicht beschriebenen und bunten Seiten. Dabei liegt der Fokus auf einer chronologischen, historischen Erzählung von den Anfängen des Faschismus im Ersten Weltkrieg in Italien und Deutschland bis in die Gegenwart und den zahlreichen antifaschistischen Kämpfen während des Zweiten Weltkriegs, über die Gründungen antifaschistischer Gruppen bis heute.

Zunächst leitet Gord Hill jedoch mit Begriffsdefinitionen in seinen Sach-Comic ein und erklärt, was Faschismus und Antifaschismus sind, um dann die historischen Wurzeln zu beleuchten. Im ersten Drittel geht es um die Entstehung des Faschismus während des Ersten Weltkriegs in Italien, von den Schwarzhemden bis zur Gründung der Partito nazionale fascista (PNF). Dabei benennt Hill die Überforderung der Regierung, aber auch die entstehenden Gruppierungen, die sich den Faschisten in den Weg stellten, wie die Arditi del Popolo. Spannend sind die Einblicke, wie sich die antifaschistischen Aktivist*innen organisierten und kämpften. Hill spart nicht mit Details, sondern gibt, soweit das in einem 112-seitigen Buch möglich ist, einen detaillierten Einblick in die antifaschistischen Kämpfe.

Anschließend blickt er nach Deutschland, erläutert die Entwicklung des Nationalsozialismus von seinen Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und beleuchtet die Arbeit von Widerstandsgruppen wie der Weißen Rose, der Edelweiss-Piraten und Partisan*innen. Weiter geht es mit dem Spanischen Bürgerkrieg und einem Überblick über die Zusammenarbeit von Mussolini, Hitler und Franco. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch immer auf dem antifaschistischen Widerstand. Dabei rückt Hill besonders emanzipatorische Bewegungen in den Mittelpunkt, in denen Frauen* eine wichtige Rolle gespielt haben, etwa die italienischen Partisan*innen, die Mujeres Libres und die Milicianas in Spanien.

Nach einem Blick nach England während des Zweiten Weltkriegs gelangt Hill über die Group 43, die nach dem Zweiten Weltkrieg faschistische Treffen und Aufzüge angriff, und die rassistische National Front schließlich in die Nachkriegszeit. Hill erläutert die Kämpfe der Roten Front, der United Black Youth League, der Antifascist Action und antifaschistischer Fußballcrews gegen die White Power-Bewegung, Blood and Honour, Combat 18 und E.D.L. Der Blick in die jüngere Vergangenheit in Deutschland zeigt u.a. die NPD, die Wehrsportgruppe Hoffmann und die Republikaner, die Ausschreitungen von Hoyerswerda, Solingen, Mölln, Rostock Lichtenhagen und den NSU, aber auch die Gründung des Antifaschistischen Infoblatts 1987, der A.A./B.O., der Antifa Gençlik und die Gegendemonstrationen in Wunsiedel und Dresden.

Nach etwas kürzeren Abschnitten zum Antifaschismus in Italien, Griechenland, Russland, Frankreich, der Ukraine, Schweden und Syrien schaut Hill in die USA und nach Kanada, um in der Gegenwart die Alt-Right Bewegung mit ihren Akteuren unter die Lupe zu nehmen. Am Ende des Comics steht der Tod von Heather Heyer, wobei Jill jedoch auch die wachsende Organisierung von antifaschistischen Aktivist*innen in den USA betont. Sein Plädoyer: ein breiter, diverser antifaschistischer Widerstand.

Die historischen Darstellungen, die hier nur schlaglichtartig herausgegriffen werden können, werden durch Analysen ergänzt. Hill macht dabei eine Kontinuität faschistischer Bedrohung und einen Zusammenhang von Faschismus, Kapitalismus, Kolonialismus und Patriarchat erkennbar.

Die visuelle Gestaltung bleibt etwas hinter dem Text zurück. Die Bilder illustrieren mehr den Text als dass sie selbst Handlung tragen, was jedoch für einen Sach-Comic nicht selten ist und den Zugang zu komplexen historischen Ausführungen erleichtern kann. Während die gezeichneten Bilder der Deportationen durch die Nazis an reale Aufnahmen erinnern, haben die Widerstandskämpfer*innen kaum individuelle Gesichtszüge. Mark Bray weist in seinem Vorwort darauf hin, dass es Hill nicht darum gehe, antifaschistische Superheld*innen zu zeigen. So wird antifaschistischer Widerstand für alle möglich und notwendig. Eine sehr lohnenswerte Lektüre.

Gord Hill
The Antifa Comic Book. 100 Years of Fascism and Antifa Movements

Sprache: Englisch
Taschenbuch
Arsenal Pulp Press
17 Euro, 112 Seiten
ISBN: 1551527332