Auftritt von Death in June (Bild: flickr.com/Timothy Misir/CC BY NC 2.0)
Braunzone | AIB 39 / 2.1997 | 23.09.1997

Aktion gegen "Death in June"

Für Aufregung sorgte ein Brandanschlag auf den Tourbus der Dark-Wave-Band "Death in June" während ihres Konzertes am 12 . Mai 1997 in der »Batschkapp« in Frankfurt/Main.

Obwohl Batschkapp-Chef Ralf Scheffler, der sich aufgrund seiner »68er«-Geschichte gern als liberaler Kulturschaffender vom Dienst feiern läßt, im Vorfeld von AntifaschistInnen über den rechten Charakter der Band informiert wurde, sah er keinen Grund, daß Konzert abzusagen.

Im Gegenteil: Am Tag nach dem Brandanschlag setzte er noch einen drauf. Über die Frankfurter Rundschau warf er den »autonomen Kritikern« Unkenntnis vor und versicherte, »den Nazivorwürfen nachgegangen zu sein«. In Liedtexten und in Interviews habe er jedoch keine Anhaltspunkte gefunden. Seine Ausführungen gipfeln schließlich im geistigen Offenbarungseid »Den Autonomen gehen die Feinde aus«.

In einem Schreiben, verschickt unter anderem an Presse und Konzertveranstalterinnen, nehmen antifaschistische und antirassistische Gruppen aus Frankfurt dazu Stellung. Sie beschreiben darin die Bemühungen der sogenannten »Neuen Rechten«, »Dark Wave/Cothic-Kreise anzusprechen, zu politisieren und als subkulturelles Standbein ihrer Politik zu auszubauen«, wobei Death in June »die 'romantischen' und mystischen Versatzstücke der Szene mit faschistischen Ideologieansätzen verknüpft« und »faktisch (seit vielen Jahren schon) die Rolle eines Tabu-Brechers innehat.«

Dies belegen die Autoren mit Zitaten, die es an Eindeutigkeit nicht fehlen lassen. So gab sich Death-in-june- »Frontmann« Douglas Pearce 1992 in einem Interview mit der Zeitschrift ZILLO als Sympathisant des ehemaligen SA- Führers Ernst Röhm zu erkennen und in einem Interview mit der rechten Jungen Freiheit vom 14. März 1997 outet er sich als »großer Bewunderer von Leni Riefenstahls Arbeit während des Dritten Reiches.«

In der Zeitschrift Glasnost (Nr. 37, 1993) äußert sich Pearce zur neonazistischen Pogromstimmung in den neuen Bundesländern: »Hast du jemals Tür an Tür mit Zigeunern gelebt? Ich kann den Groll, der in Ostdeutschland zum Vorschein kommt, verstehen (...)«

Im neonazistischen Spektrum genießt die Band große Sympathien. Die RechtsRock-Gazette Rock Nord widmet DIJ in ihrer April-Ausgabe zwei Seiten und erfreut sich besonders der von der Band verwendeten Symbolik, sei es nun »der SS-Totenkopf in einer modifizierten Form« als Bandsymbol, »die Katalognummer 30.06.34 ihrer ersten Single - bekanntlich das Datum des Röhm-Putsches« oder die Wahl des Namens Death in June, der sich auf den Todesmonat von Ernst Röhm bezieht.

Desweiteren wird Pearce' »engagierter Einsatz für nationale Gruppierungen in ganz Europa« gelobt, worunter wohl auch ein Solidaritätskonzertes der Band zugunsten eines Krankenhauses für Frontsoldaten in Zagreb Anfang 1993 zu zählen ist, in dessen Rahmen Pearce die »Frontlinie« im damaligen Bürgerkrieg »besuchte«. Ermöglicht wurde dieser Abstecher - laut Rock Nord - von der neofaschistischen HOS-Miliz.

Die Frankfurter AntifaschistInnen schreiben weiter: »Weder der verklärte Blick auf die Geschichte der SA, das Kokettieren mit faschistischer Symbolik noch die eindeutigen politischen Statements und Aktivitäten von Pearce, scheinen für Batschkapp-Chef Schettler Grund genug zu sein, von der Band Abstand zu nehmen. Wer in diesen Aussagen (die beliebig weitergeführt werden können) keinen neofaschistischen Hintergrund erkennen mag, dem muß vorgeworfen werden, sich die Argumentationslinie der 'Neuen    Rechten' zu eigen zu machen, die versucht, über ein pseudokritisches Verhältnis zum Hitlerismus den Faschismus-Vorwurf zurückzuweisen. (...) Wir werfen Schettler vor, rassistische und neofaschistische Bands hoffähig zu machen - indem er ihnen Auftrittsmöglichkeiten bietet und ihnen mit undurchdachten, undifferenzierten und unhaltbaren Behauptungen faktisch den Rücken frei hält. Schettler spielt sich in arroganter Art und Weise als Verfechter der Freiheit der Kunst auf und wirft antifaschistischen Menschen vor, totalitäre Denkweisen zu haben. Doch gerade der moralische Hinweis auf die künstlerische Freiheit und eine selbstgerechte Opfer-Mentalität (die Antifaschisten die Täterrolle andichtet) sind die argumentativen Allzweckwaffen, mit der die nach der kulturellen Hegemonie strebende Rechte versucht, sich kulturell zu legitimieren und zu etablieren. In Anbetracht der Erfolge, sie auf diesem Terrain bereits errungen hat ist die Aussage Schefflers, daß 'den Autonomen die Feinde ausgehen' nicht nur eine zynische Unterstellung, sondern sie redet denen nach dem Mund, gegen die Schettler angeblich 'sehr empfindlich' ist.«

Dem sei noch hinzugefügt, daß zum Zeitpunkt der Drucklegung keine Reaktion des Batschkapp-Chefs bekannt ist. An dieser Reaktion wird sich zeigen, ob Schettler sich nun tatsächlich in die Liste der Ex-Linken einreiht, die - und sei es nur aus kommerziellen Gründen - vor dem Zeitgeist kapituliert haben und auf den fahrenden Zug der rechten Kultur aufspringen.