Die Gedenkveranstaltung und Namensgebung zum „Park der Internationalen Brigaden“ in Madrid.
Geschichte | AIB 113 / 4.2016 | 29.03.2017

80. Jahrestag der Internationalen Brigaden in Spanien

Im Herbst 1936, kurze Zeit nach dem faschistischen Putsch von Teilen des Militärs unter Francisco Franco in Spanien und dem Beginn des spanischen (Bürger-)krieges, reisten Freiwillige aus verschiedenen Ländern nach Spanien, um auf der Seite der republikanischen Regierung gegen die Putschisten zu kämpfen. Anlässlich des 80. Jahrestages der Bildung der brigadas internacionales fanden in Spanien Gedenkveranstaltungen statt.

Etliche Sprachen schwirrten durch die Luft, als im Oktober 2016 über hundert Reisende vor dem Hotel Voramar im spanischen Benicàssim zusammen kamen, um an einem Rundgang entlang des Strandboulevards und seiner Villen teilzunehmen. Der Rundgang bildete den Auftakt einer mehrtägigen Reise im Gedenken an die Brigaden, eine Reise, die in einem ganz besonderen Maße von Internationalität geprägt war. Auch schon vor 80 Jahren hatte der internationale Kontext eine kaum zu unterschätzende Bedeutung. Der Republik und ihren internationalen Unterstützern standen von Anfang an nicht nur die spanischen Putschisten gegenüber. Am 17. Juli 1936 brach der Aufstand auf dem Militärstützpunkt in Marokko aus.

Der Kampf der beiden Kriegsparteien auf dem Festland war zunächst erfolgreicher für die Verteidiger der Republik. Das Kräfteverhältnis veränderte sich jedoch mit dem Eingreifen Hitlers und Mussolinis. Noch im Juli trafen Militäreinheiten und Kriegsmaterial aus Berlin und Rom ein. Berüchtigt wurde Hitlers Legion Condor, die am 26. April 1937 die baskische Stadt Gernika mit Flächenbombardierungen in Schutt und Asche legte. Während Deutschland und Italien bereits kurze Zeit nach dem Putsch zudem durch eine Luftbrücke von Marokko nach Spanien den Transport der von Franco beherrschten Milizen auf das spanische Festland erst ermöglichten, verfolgten die Großmächte Frankreich und insbesondere Großbritannien einen Nichteinmischungspakt mit dem Ziel der Nichtausbreitung des Krieges über Spanien hinaus. Die westliche Appeasement-Politik führte auch dazu, dass die demokratisch legitimierte Regierung in Madrid im Laufe des Krieges zunehmend von der Unterstützung aus Moskau abhängig wurde. In der Geschichtsforschung wird davon ausgegangen, dass diese Asymmetrie in der Intervention seitens ausländischer Mächte wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Aufständischen nach dem Putsch am 18. Juli 1936 monatelang durchhalten konnten und sich die Auseinandersetzung somit in einen Krieg ausweitete.

Josep Almudéver, der als einziger ehemaliger Interbrigadist mit 97 Jahren an den Gedenkveranstaltungen teilnahm, legte in seinen Reden ganz besonderen Wert darauf, den Begriff des „Spanischen Bürgerkrieges“ zu dekonstruieren und erntete dafür regen Applaus. So betonte Almudéver beim offiziellen Empfang in der Stadt Albacete: „Diejenigen, die damals wie Juan Carlos I. oder heute das Arschloch von Mariano Rajoy (mittlerweile erneut designierter Ministerpräsident Spaniens, d.V.) noch von einem reinen Bürgerkrieg sprechen, sind genau diejenigen, die verschweigen, dass es eben das faschistische Deutschland und Italien gewesen sind, die den Franquisten die größte Unterstützung zukommen ließen und dadurch erst die Niederlage der Republik ermöglichten. Doch diese militärische Unterstützung seitens der Faschisten ist nicht das Entscheidende gewesen. Der Verrat an der spanischen Republik und an der Demokratie hat in dem Moment begonnen, als das Komitee für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens beschlossen hat, uns fallen zu lassen — und das unter Federführung der Sozialisten in der französischen Volksfrontregierung.1 Angesichts dessen könne, so Almudéver, vom Bürgerkrieg keine Rede sein.

Zur Bildung der Internationalen Brigaden mobilisierten insbesondere die kommunistischen Parteien vom Herbst 1936 an ihre Mitglieder, allen voran die Kommunistische Partei Frankreichs — in Paris wurde letztlich auch die Rekrutierung organisiert. Bis Ende Oktober 1936 hatten sich bereits 8000 Freiwillige im spanischen Albacete zusammengefunden, wo die Aufstellung und wenige Wochen dauernde Ausbildung der Brigaden organisiert wurde, bevor es an die Front ging. Insgesamt reisten bis zu 60.000 Männer und Frauen aus über 60 Ländern2 nach Spanien, um sich an der Niederschlagung des Putsches zu beteiligen, darunter neben den europäischen Ländern, der Sowjetunion, den USA und Kanada auch Aktivist_innen aus asiatischen Ländern oder Lateinamerika.

Dabei setzten sich die Brigaden etwa zur Hälfte aus Künstler_innen, Wissenschaftler_innen, Ingenieur_innen, Ärzt_innen und Politiker_innen zusammen, nach dem Historiker Angel Viñas waren sie die „intellektuellste Truppe der Kriegsgeschichte“. Auch hunderte Frauen gingen nach Spanien. Die spanische Zweite Republik Anfang der 1930er Jahre mit ihren für diese Zeit fortschrittlichen Errungenschaften wie dem Frauenwahlrecht oder der Möglichkeit der Ehescheidung strahlte weit über das Land hinaus und war einer der Gründe, warum es Frauen nach Spanien zog, um gegen den faschistischen Vormarsch und für die Verteidigung dieser Errungenschaften zu kämpfen.3

Gedenken und gesellschaftliche Anerkennung

In Benicàssim waren Delegationen aus 16 Ländern zusammengekommen. In dem direkt am Meer gelegenen kleinen Ort nördlich von Valencia wurde im Mai 1937 ein Krankenhauskomplex der Brigaden errichtet, zu dem neben dem Hotel auch mehrere Villen an der Strandpromenade gehörten. Viele der Reiseteilnehmer_innen hatten meist über die Eltern einen familiengeschichtlichen Bezug zu diesem Teil der spanischen Geschichte. Es sollte eine ganz andere Reise in die Vergangenheit werden, als sie etwa das italienische iStoreco mit seinen sentieri partigiani bietet. Die seit vielen Jahren durchgeführten Wanderungen auf den historischen Pfaden der Widerstandskämpfer_innen in der Region Reggio Emilia sind verbunden mit Gesprächen und Erzählungen ehemaliger Partisan_innen. Durch diese gelungene und sehr lebendige Geschichtsvermittlung sind eindrückliche Erlebnisse und neue Erkenntnisse garantiert.

Das Setting in Spanien war ganz anders: In Benicàssim waren vor allem Familienangehörige zusammengekommen, denen es zunächst darum ging, gemeinsam überhaupt erst einmal die Erinnerung an die Existenz der Internationalen Brigaden an die Öffentlichkeit zu tragen. In den meisten Köpfen war die Erinnerung an das Treffen vor 20 Jahren, als noch über 200 Brigadisten mit ihren Angehörigen und Freund_innen erstmalig gemeinsam die Orte der Kämpfe aufgesucht hatten. Etliche Fahnen verwiesen auf den Hintergrund, so die „Amicales des anciens Volontaires français en Espagne Républicaine“, das „1. Batallòn Americano Abraham Lincoln“ oder die „Compañía Naftali Botwin, Battallon Palafox“. Insbesondere die letztgenannte Fahne fiel ins Auge, nicht nur wegen des bunten, in den Farben der Republik gehaltenen schweren Samtstoffes, sondern vor allem, weil sie, entgegen dem sonst in nationalen Kategorien strukturierten Gedenken, in drei Sprachen, nämlich polnisch, spanisch und hebräisch, ihre Botschaft mitteilte: "Für eure und unsere Freiheit!"

In der Naftali-Botwin-Kompanie waren jüdische Freiwillige aus unterschiedlichen Ländern organisiert. Dieser internationale Charakter prägte auch die Reise: Bei der Einweihung einer Gedenktafel lasen Vertreter_innen aus Frankreich, Italien, Polen, Deutschland, Großbritannien, den USA, Dänemark und Russland in der jeweiligen Landessprache Gedichte vor. Viele lokale Organisationen waren an der Durchführung der Reise beteiligt: Die deutsche Gruppe reiste mit den „Kämpfern und Freunden der spanischen Republik“ (KFSR), die französische Gruppe mit A.C.E.R., von spanischer Seite war es die AABI und mit ihr deren Präsidentin Almudena Cross, die viele der gehaltenen Reden gleich in mehrere Sprachen übersetzte. Diese sprachliche Herausforderung und der Anspruch, möglichst Vertreter_innen aller Delegationen zu Wort kommen zu lassen zog sich durch die Gedenkveranstaltungen der kommenden Tage. Unter dieser Symbolik der Internationalität und der Mehrfachübersetzungen vom Podium aus hatte gezwungenermaßen die inhaltliche Tiefe zu leiden. Nur selten hatten auf den Veranstaltungen selbst persönliche Geschichten, Narrative oder gar Widersprüche aus der Zeit des Krieges ihren Raum.

Diese Form der Gedenkkultur ist nicht allein mit der Zusammensetzung der Teilnehmenden und dem eher traditionell kommunistischen Hintergrund zu erklären. Die Erinnerungskultur in Spanien kann nicht einmal ansatzweise mit der Situation in Deutschland verglichen werden. Nach dem Ende des Krieges 1939 setzte sich die franquistische Diktatur bis zum Tode Francos 1975 fort. Mit der Demokratisierung, der Transición, ging auch eine Generalamnestie einher, die jegliche juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen während der Diktatur verhinderte. Bis heute ist die historische Aufarbeitung in Spanien umkämpft, das Ausheben von Massengräbern erschossener Anhänger_innen der Republik, die Schätzungen seitens der Hinterbliebenenverbände liegen bei rund 150.000 „Verschwundenen“, hängt beispielsweise noch immer an der Initiative von Nichtregierungsorganisationen.4 Dass in dieser Situation die öffentliche Repräsentation derjenigen Akteure, die den Bürgerkrieg verloren haben, eine bedeutende Rolle einnimmt, um gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen und das jahrzehntelange Schweigen zu überwinden, ist nur allzu verständlich. Genauso verständlich ist es, dass aufgrund dieser mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung möglichst viele politische Repräsentant_innen zu Wort kommen sollen, auch wenn es durch die dadurch bedingte Redezeit von wenigen Minuten schwer wird, viel mehr als Floskeln unterzubringen.

Wenn es zukünftig darum gehen sollte, auch Menschen ohne einen entsprechenden Hintergrund an die Geschichte der Internationalen Brigaden heranzuführen und Interesse dafür zu wecken, ist der Ansatz ritualisierter Gedenkveranstaltungen mit den immer gleichen Arbeiterliedern und Reden politischer Repräsentant_innen bestenfalls öde, wenn nicht sogar abschreckend. Gerade die persönlichen Narrative der Überlebenden oder ihrer Kinder sowie die zahlreichen umstrittenen Fragestellungen innerhalb des antifaschistischen Lagers machen das Interessante dieser Geschichte aus, und sie können schließlich auch die Brücke bilden zu der Frage, was heute unter „Internationaler Solidarität“ verstanden werden kann. Dass Europa heute erneut einen Rechtsruck erlebt, fand zwar in einigen Reden Erwähnung, ging darüber allerdings kaum hinaus.

Von Albacete nach Madrid

Von Benicàssim aus reiste die Gruppe der über hundert Teilnehmer_innen nach Albacete, der Stadt im damaligen republikanischen Machtbereich, in der sich die Verwaltung der internationalen Brigaden niedergelassen hatte. Ein Mitreisender begab sich auf die Spuren seiner eigenen Geschichte: Sein Vater hatte sich den Internationalen Brigaden angeschlossen, seine Mutter reiste nach einer Ausbildung zur Krankenschwester ebenfalls nach Spanien. Drei Monate nachdem der Vater in der Schlacht von Belchite gefallen war, wurde unser Mitfahrer in einem der von den internationalen Brigaden genutzten Krankenhäuser in Albacete geboren. Leider gelang es ihm auf dieser Fahrt nicht, den genauen Standort zu lokalisieren. Aufgrund dieser besonderen Bedeutung von Albacete für die Organisation der Internationalen Brigaden ist die Stadt auch ein Ort, an dem die Stadtverwaltung der Thematik aufgeschlossen gegenüber steht. Das ist in Spanien alles andere als selbstverständlich. Ich erinnere mich an einen Ausflug nach Santander vor etlichen Jahren, einer Stadt im Nordwesten Spaniens. Dort prägten damals noch eine Reiterstatue Francos, ein Monument in Gedenken an die faschistische Division Navarra oder Cafés mit dem Namen „Mola“, einem der zentralen faschistischen Generäle des Putsches, das Straßenbild. In Albacete fand nach der Einweihung einer Gedenktafel in der Straße des damaligen Bahnhofes, über den die Freiwilligen vor 80 Jahren aus Paris in die Stadt gekommen waren, auch eine Gedenkveranstaltung im Abgeordnetensaal der Provinzverwaltung mit vielen lokalen Repräsentant_innen statt. Allerdings zeigten sich die Organisator_innen des lokalen Studien- und Dokumentationszentrums der Internationalen Brigaden (CEDOBI) enttäuscht darüber, dass es im Vergleich zu den Gedenkveranstaltungen 1996 keine finanzielle Unterstützung seitens des Regionalparlaments von Castilla La Mancha für die verschiedenen Veranstaltungen gegeben habe.

Dass die Gedenkveranstaltung an der Universität Albacete mit einer durchaus gelungenen Rede eines Professors für Urologie bestritten wurde, der sich darin vehement für eine Dritte Republik aussprach, verdeutlicht auch, dass das Erinnern und Gedenken in Spanien vielfach am Interesse und Engagement Einzelner hängt und nicht zwangsläufig mit deren Rolle als Repräsentant_innen einer Institution verbunden ist. Das kann aus deutscher Perspektive auch ganz erfrischend wirken. Nach einigen Tagen erreichten wir als letzte Station Madrid, von wo aus auch kleine Exkursionen zu den umliegenden Orten unternommen wurden, etwa zu der Region, wo sich die Schlacht am Guadalajara ereignet hatte. Hier hatte die republikanische Seite nach der Verteidigung Madrids im November 1936 den letzten größeren Sieg errungen. Die Führung an die Orte des Kampfes zeichnete ein lebendiges Bild und war damit ein besonders gelungener Moment der Reise. Auf der Rückfahrt machten wir Halt für ein Gedenken auf dem Madrider Friedhof Fuencarral, auf dem verschiedene Gedenktafeln an die gefallenen Interbrigadist_innen erinnern. Die einst hier beerdigten Toten wurden während des Franquismus exhumiert und ihre Überreste an einen unbekannten Ort verbracht.

Es wäre interessant gewesen, im Rahmen der Reise über die Konflikte innerhalb des republikanischen Lagers, die teilweise blutig ausgetragen wurden, zu diskutieren. So hat es auch bei den schlecht ausgebildeten internationalen Brigaden nach einer ersten Konfrontation an der Front etliche Deserteure gegeben. Auch Differenzen innerhalb des republikanischen Lagers, etwa zwischen der Kommunistischen Internationalen, der Komintern, die in den internationalen Brigaden stark vertreten war und der antistalinistischen POUM oder anarchistischen Zusammenhängen waren auf den Veranstaltungen kein Thema. Gerade dem anarchistischen Widerstand gegen Franco ging es darum, durch die Kollektivierung von Land und die Selbstorganisation in Räten zeitgleich soziale Veränderungen, eine soziale Revolution in den von ihnen kontrollierten Gebieten durchzusetzen. Insbesondere in Barcelona kam es 1937 zu offenen militärischen Auseinandersetzungen innerhalb des republikanischen Lagers. Zudem hat auch in Spanien die stalinistische Paranoia einer Infiltrierung der eigenen Reihen durch vermeintliche trotzkistische Spione zu einem Klima der Angst beigetragen. Diese Konfliktlagen spielen jedoch in der Erinnerung an die Internationalen Brigaden keine Rolle. Ein Mitreisender berichtete mir am letzten Tag in Madrid, dass seine Familie mit Nähe zur POUM einen ganz anderen Hintergrund hat — die Geschichte des Widerstandes gegen Franco ist dort sicherlich anders erzählt worden.

Im Herbst 1938 wurde auf Druck des Londoner Ausschusses zur Nichtintervention der Abzug der internationalen Freiwilligen verkündet. Viele Interbrigadist_innen wurden schließlich in französischen Internierungslagern interniert, und nach deren Auflösung in die nationalsozialistischen Konzentrationslager überführt. Andere landeten in den sowjetischen Gulags, wo etlichen von ihnen die Exekution drohte. Die stalinistischen „Säuberungen“ hatten in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre ihren Höhepunkt erreicht.

  • 1. Zitiert nach Joel Schmidt.
  • 2. Die Zahlen variieren, die hier verwendeten aus: Angel Viñas: Der internationale Kontext, in: Der Spanische Bürgerkrieg. Eine Bestandsaufnahme, Frankfurt am Main 1987, S. 230.
  • 3. Vgl. dazu: Reneé Lugschitz: Spanienkämpferinnen. Ausländische Frauen im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939; Berlin Münster Wien Zürich London 2012.
  • 4. Vgl. zur erinnerungspolitischen Bewegung in Spanien auch den Artikel „Überwindung des Schweigens“ in AIB Nr. 104.