Der NPD-Funktionär Jörg Krautheim (im Kreis) bei einer Neonazi-Demonstration 1997 in Neuhaus am Rennweg. Links und rechts vor ihm am Transparent Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Vor dem Transparent links mit Schlips: Tino Brandt. Daneben mit Schlips: Andre Kapke. Links hinter Kapke: Beate Zschäpe. (Foto: thueringenrechtsaussen.wordpress.com)
NS-Szene | AIB 46 / 1.1999 | 13.03.1999

1999: Neonazis übernehmen NPD in Thüringen ?

Am 18./19. April 1998 fand in Gera der dritte Parteitag des NPD-Regionalverbandes Thüringen Ost statt. Die dort getroffenen Entscheidungen machen deutlich, daß die NPD immer stärker ins neonazistische Lager abgleitet und diejenigen Kräfte Oberhand gewinnen, die noch nicht einmal den Anschein einer "demokratischen" Partei wahren wollen.

Die anwesenden Delegierten bekundeten ihre Geschlossenheit, beim kommenden Landesparteitag die Kandidatur von Andreas Schönleben aus dem NPD-Landesvorstand zu unterstützen. Schönleben gilt als ein Verfechter der »offenen Bündnispolitik« und steht für eine integrative und kooperative Haltung gegenüber »freien« Zusammenhängen wie dem neonazistischen "Thüringer Heimatschutz" (THS).

Der "NPD Landesverband Thüringen" mit Sitz in Weimar entstand 1990 unter Leitung von Andre Bracke, Olaf Dienel und Manfred Werndorf. Bei der Wahl des neuen Landesvorsitzenden wird Schönleben, der mit über 100 Mitgliedern den stärksten Regionalverband Thüringens vertritt, vermutlich gegen Frank Golkowski antreten. Der frühere Niedersachse Frank Golkowski hatte ab 1990 zusammen mit Thomas Dienel die NPD in Thüringen aufgebaut. Doch Golkowski und seine Vertreterinnen Roswitha Schumann und Grit Ortlepp hatten in Thüringen immer mehr Mitglieder verloren und konnten nicht mal mehr die 2.000 Unterschriften zum Antritt bei der Bundestagswahl zusammenbekommen.

Der neugewählte NPD-Organisationsleiter Jörg Krautheim aus dem Führungskreis der "Kameradschaft Gera" kündigte nun an, den Ausbau der "AG nationaler Sozialisten in und bei der NPD" (AGnS) in Thüringen weiter zu forcieren. Jörg Krautheim galt zeitweilig als stellvertrender Vorsitzender der "Jungnationalen" (JNA), der Jugendorganisation von "Die Nationalen e.V.) Seit März 1997 hat sich die Zahl der NPD-Mitglieder in Thüringen fast verdreifacht. Die neuen Mitglieder kommen in der Regel aus dem Spektrum des aufgelösten Neonazi-Vereins "Die Nationalen e.V.", der Neonazi-Kameradschaften, des "Thüringer Heimatschutz" und anderen, dem (militanten) Neonazismus zuzurechnenden Gruppen. So soll z.B. neben Jörg Krautheim auch Jan Stöckel aus dem Führungskreis der "Kameradschaft Gera" als NPD Kandidat für die Landtagswahl im September 1999 antreten.