Rezensionen | AIB 106 / 1.2015 | 16.04.2015

„... weil ihre Kultur so ist“

Yasemin Shooman

Der im Oktober 2014 im transcript Verlag erschienene Band mit dem Titel „,… weil ihre Kultur so ist‘ — Narrative des antimuslimischen Rassismus“ ist die überarbeitete Fassung der Dissertation der Autorin. Anhand vieler Fallbeispiele zeigt Yasemin Shooman sehr anschaulich wie antimuslimisches Denken sich im allgemeinen Sprachgebrauch äußert und fortsetzt. Aufzeigen will sie, inwiefern die vielen antimuslimisch motivierten Alltagserzählungen in Gesellschaft, Politik und Medien Ausdruck einer aktuellen Form von Rassismus sind. Sie betrachtet in dem Band nicht das Ausmaß antimuslimischer Ressentiments in Deutschland, sondern die Struktur ihrer gegenwärtigen Inhalte.

Um diese herauszuarbeiten, wendet Shooman im Anschluss an Autoren wie Teun van Dijk oder Siegfried Jäger die auf Michel Foucault zurückgehende Diskursanalyse an und streicht in ihrer ausführlichen Einleitung die Bedeutung dieser Analysepraxis für die Rassismusforschung heraus. Zeigen kann sie anhand dieser, wie die im Buch diskutierten Aspekte antimuslimischer Ausgrenzung auf ein Kollektivwissen verweisen, das sich permanent aktualisiert.

Charakterisiert ist dieses Wissen einerseits durch einen als monolithisch wahrgeennommen Islam, der als Gegensatz dient zu Liberalität, Aufklärung, Emanzipation und Moderne, andererseits durch Überschneidungen mit anderen essentialisierenden Ideologien gesellschaftspolitischer Ausgrenzung. So gleichen beispielsweise biologistische Behauptungen einer angeblich „überdurchschnittliche[n] Vermehrung“ unter Muslimen rassistische Stereotypen der Ausgrenzung.

Leider wird diese sehr lesenswerte Arbeit von Yasemin Shooman nicht so schnell an Aktualität verlieren. •

Yasemin Shooman
„... weil ihre Kultur so ist“ — Narrative des antimuslimischen Rassismus
transcript Verlag, 10/2014, 29,99 € Print/E-Book,
ISBN 978-3-8376-2866-1