NS-Szene | AIB 71 / 2.2006 | 15.06.2006

»Thor Steinar«

Das Antifaschistische Info Blatt und das schwedische Antifamagazin EXPO haben in einer gemeinsamen Presseerklärung darauf hingewiesen, dass die Modemarke »Thor Steinar« tiefer in der Neonaziszene eingebunden ist, als sie zuzugeben bereit ist. 

Wie eine gemeinsame Recherche der beiden Zeitschriften ergab, hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der im brandenburgischen Zeesen ansässigen Modemarke »Thor Steinar« Kontakte zur militanten Neonaziszene Schwedens. Udo Siegmund, der vor einiger Zeit auch die Webseiten des Unternehmens (www.thorsteinar.de und www.thorsteinar.com) angemeldet hatte, war am 30. Juli 2005 mit mehreren anderen Deutschen zu Gast auf einem Konzert der Neonaziorganisation »Nationalsocialistisk Front« (NSF) im schwedischen Tråvad. Hier spielten die Neonazibands Angriff, Titania, White Valkyria (alle drei aus Göteborg/Schweden) sowie die deutschen Bands Kraftschlag (Nürnberg)1 und Skalinger (Wolgast/Mecklenburg-Vorpommern). Siegmund ist nun Geschäftsführer der Firma Ronnytex AB, die in der schwedischen Gemeinde Klippan sitzt und laut Handelsregisterauszug Textilien vermarktet. Unter der gleichen Adresse firmiert das Unternehmen Sinotexes AB.

Die Firma Sinotexes AB wiederum ist laut Domainabfrage am 2. März 2006 verantwortlich für die Internetseite www.thorsteinar-outlet.de, die Produkte der bei Neonazis beliebten Marke zu Sonderpreisen vertreibt. Offizielles Impressum der Seite ist die Berliner Firma Skytec Outlets GmbH, die ebenfalls Textilien vermarktet. Der Geschäftsführer, Michael Meißner aus Bestensee, ist auch Geschäftsführer der schwedischen Ronnytex AB. Da es im schwedischen Handelsregister keinen Eintrag zur Sinotexes AB gibt, aber auch wegen der gleichzeitigen Angehörigkeit Meißners zu Ronnytex AB und Skytec Outlets, muss davon ausgegangen werden, dass Sinotexes AB eine Briefkastenfirma ist, deren Spur zur Ronnytex AB führt. Die südschwedische Kleinstadt ist immer wieder durch ihre aktive Neonaziszene ins öffentliche Interesse Schwedens gerückt.

In Deutschland sorgt Thor Steinar regelmäßig für Schlagzeilen. Das alte Logo wird wegen der Ähnlichkeit zu NS-Symbolen zum Teil weiterhin juristisch verfolgt. Derzeit laufen in Berlin über 30 weitere Ermittlungsverfahren wegen des Tragens des alten Thor Steinar-Logos. Dieses sehe nach Ansicht der zuständigen Richterin im oben genannten Verfahren den Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zum Verwechseln ähnlich. Die Teilnahme eines ehemaligen Mitarbeiters der Firma an einem internationalen Neonazikonzert ist ein weiterer Beleg für weitreichende Verbindungen der Modemarke in die Neonaziszene.

  • 1. Deren früheren Sänger und Band-Leader Jens Arpe soll nach Aussagen von Szene-Insidern über gute Kontakte nach Skandinavien verfügen. Einen enger Kontakt soll v.a. zu Marcel Schilf aus Dänemark bestehen. Als Sprecher soll er z.B. an einem "Kriegsberichter"-Video von NS 88 mitgewirkt haben.