Antifa | AIB 72 / 3.2006 | 15.09.2006

»Kein Bock auf Nazis«

In letzter Zeit ist es vermehrt zu einer hohen Präsenz neonazistischer Propaganda  auf Schulhöfen und in Jugendeinrichtungen gekommen. Sowohl die NPD als auch Freie Kameradschaften fokussieren sich immer intensiver auf junge Menschen und versuchen diese mit Musik-CDs und Flugblättern im jugendlichen Stil für sich zu gewinnen. 

Um dem etwas entgegen zu setzen, hat das Projekt „Turn it down“ in Zusammenarbeit mit dem Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum und dem Antifaschistischen Infoblatt eine SchülerInnenzeitung erstellt. Die Zeitung „Kein Bock auf Nazis“ wird Anfang Juli in einer Auflage von 50.000 Stück erscheinen, des weiteren gibt es auch eine gleichnamige DVD, die dem AIB beiliegt. Es wurde sich zum Ziel gesetzt, Schülerinnen und Schüler über neonazistische Inhalte, Musik und Kleidung aufzuklären. Zudem sollen Ihnen Ideen und Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie selber gegen Neonazis aktiv werden können.

Ein wichtiger Ansatz hierbei ist es, junge Menschen über Neonazi-Kleidung und -Musik zu informieren. Der Artikel »Der Nazis neue Kleider« beschreibt die Entwicklung des Duktus von Neonazis in den 1990er Jahren bis heute. Es wird kurz konstatiert, wie sich die Neonaziszene von ihrem martialischen Skinheadoutfit löste und sich anderen Subkulturen öffnete und damit auch ihren einheitlichen Kleidungsstil ablegte. Zudem werden einige der neuesten und bei Neonazis sehr beliebten Kleidermarken, wie zum Beispiel »Thor Steinar«, vorgestellt und erläutert, welchen Stellenwert die Codierung von Kleidung für jugendliche Neonazis hat.

Ein weiterer Anziehungspunkt für Jugendliche ist rechte Musik, daher gibt es einen kurzen Einblick über die Initiative Turn it Down, die über den stetig expandierenden Markt mit rechter Musik aufklärt. Mittelpunkt des Projekts ist eine Internetplattform, welche umfangreich über Rechtsrock und seine unterschiedlichen Erscheinungsformen, Bands, als auch deren Texte und Labels informiert. Zudem wird es so ermöglicht, dass alternative Jugendkulturen sich vernetzen und stärken können, um sich gemeinsam gegen rechte Strömungen innerhalb ihrer Subkultur durchzusetzen.

Jugendliche, die sich selten oder noch nie mit dem Thema beschäftigt haben oder oft nicht wissen, wie bestimmte Musik oder Kleidung einzuordnen ist, haben durch die Artikel und die weiterführenden Kontakte und Informationsanzeigen die Möglichkeit, sich selbständig damit auseinanderzusetzen und das erlernte Wissen gezielt gegen Neonazis an ihren Schulen oder in ihrem Umfeld einzusetzen. Aber nicht nur durch Kleidung oder Musik gelingt es neonazistischen Organisationen, neue Anhänger für ihre Ideologie zu gewinnen. Oft sind es die pseudoantikapitalistischen und -sozialen Parolen, die junge Menschen anlocken. Daher gibt es in der Zeitung einen Artikel, der sich intensiver mit Parolen von rechten Parteien und Gruppen auseinandersetzt und diese ins »rechte« Licht rückt.

»Kein Bock auf Nazis« auch auf DVD

Die DVD wurde gemeinsam von der Berliner Skatepunkband ZSK, dem Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum und »Turn it Down« produziert und ist im April diesen Jahres in einer Auflage von 30.000 Stück erschienen. Innerhalb kürzester Zeit war die DVD vergriffen und die Reaktion von Jugendlichen war meist sehr positiv. Unterstützt wurde die DVD von vielen prominenten Musikern, Fanzines und antirassistischen, antifaschistischen Organisationen und Gruppen.

Zum Auftakt gibt  es einen kurzen Überblick über die Auswirkungen von Neonazismus in Deutschland. Mit dabei sind unter anderen Bela B. von den Ärzten oder Breiti von den Toten Hosen. Dabei beziehen alle Akteure klar Position: Sie haben keinen Bock auf Nazis und appellieren gerade an Jugendliche, selbst aktiv zu werden. Eike von ZSK: »Wenn in meinem eigenen Ort oder bei mir in der Nähe ein Naziaufmarsch stattfinden soll, dann kriegt man das oft schon frühzeitig mit und es wird eigentlich immer eine Gegendemo stattfinden und es ist total wichtig daran teilzunehmen und irgendwie zu zeigen, dass diese Leute ihre menschenverachtende Ideologie nicht hier und auch an keinen anderen Ort zeigen sollen.« Im weiteren Verlauf schildern die einzelnen Musiker ihre Erlebnisse mit Neonazis und ihre Vorschläge für Gegenaktivitäten. Die anschließende Vorstellung von antifaschistischen Initiativen und deren Arbeit soll dafür Anknüpfungspunkte bieten. So wird ein Einblick ermöglicht und Tipps für politische Arbeit gegeben. Unter anderen stellt sich die Initiative des Festivals »Le monde est à nous – Die Welt gehört uns«, das jährlich im Berliner Bezirk Treptow stattfindet, vor.

Eine der OrganisatorInnen erklärt, was die grobe Vorbereitung für ein solches Konzert ist und welche Möglichkeiten es zur Unterstützung gibt. Eine andere Gruppe, der sich vorstellt, ist die »Stop Thor Steinar« Kampagne. Ein Aktivist beschreibt den Werdegang einer solchen Kampagne mit den dazu nötigen Arbeitsschritten und eventuellen Schwierigkeiten. Es wird aber auch auf die Erfolge, wie das zeitweilige Verbot der Marke und die große Presseresonanz eingegangen.

Fazit

Die SchülerInnenzeitung und die DVD »Kein Bock auf Nazis« ermöglichen Jugendlichen eine unkomplizierte, aber intensive Auseinandersetzung mit rechtem Lifestyle und rechter Ideologie. Durch diese Form von Aufklärung wird es Neonazis erschwert, bei Jugendlichen und ihrem Umfeld Fuß zu fassen. Ihre Codes und Parolen werden enttarnt und ihnen somit keine Möglichkeit gegeben, sich mit ihrer Symbolik als »ganz normale Jugendliche« auszugeben.

Es wird auch eine Basis für weiterführende politische Arbeit geschaffen, nicht zuletzt durch die vielen Hilfestellungen in den Randspalten und Artikeln und Kontakte, die veröffentlicht werden. So können sich die LeserInnen selbständig weiterinformieren und erhalten erste Hilfestellungen für ein weiterführendes politisches Engagement. Bundesweit können Lehrkräfte oder SchülerInnnen die Zeitung gratis beim Antifaschistischen Pressarchiv ab einer Auflage von 250 Stück bestellen und ihren KollegInnen und  MitschülerInnen somit einen kompakten Einblick in die Thematik Rechsextremismus ermöglichen. Auch für Jugendeinrichtungen ist die Zeitung ein ideales Medium, um ihrer Klientel einen schnellen und kompakten Überblick zu verschaffen. Die DVD ist ebenfalls auf diesem Wege erhältlich, kann in geringeren Stückzahlen gratis bestellt werden und ist auf der Seite www.keinbockaufnazis.de kostenlos zum Runterladen bereitgestellt.

www.keinbockaufnazis.de