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Rechte Glücksritter in Ostdeutschland

Andrea Röpke Berny Vogl
Einleitung

Kaum, dass die Mauer fiel, zogen sie vom Westen in den östlichen Teil des Landes: (ehemalige) Rechtsextremisten auf der Suche nach neuen Anhängern für ihre Organisationen oder nach dem großen Geld. Wir sind der Spur drei dieser Glücksritter gefolgt – Karl-Heinz Hoffmann, Hans Jörg Schimanek jun., Reinhard Rade – und fragen wie der »stern« wöchentlich auf seiner letzten Seite: »Was machen diese rechten selbsternannten ‘Aufbauhelfer Ost’ eigentlich heute?«

Bild: Screenshot von youtube.com/arte

Karl-Heinz-Hoffmann (vorne rechts) bei einer paramilitärischen Übung.

(Erscheinungsdatum 17.06.2003, modifiziert nach Rechtsstreit 09.05.2019)

Ein Stück deutscher Neonazi-Geschichte

Bei vielen Neonazis ist die »Wehr­sportgruppe Hoffmann« Kult, einschlägige Versände verkaufen T-Shirts mit dem Konterfei des »Chefs« oder mit dem Schriftzug der Truppe. Hoffmanns »an Tatsachen orientierter Roman – Verrat und Treue« gibt es schon für ca. 20 Euro zu kaufen. Für die Öffentlichkeit verlor sich seine Spur jedoch 1989, nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis. Dabei war gerade Karl-Heinz Hoffmann einer, der die Medien manipulierte, mit ihnen spielte. Gestellte Fotos und gefährliche Posen waren sein Markenzeichen in den 70er Jahren. Hoffmann mit Puma. Hoffmann mit Panzer. Hoffmann marschiert mit Kameraden.

Die Vorgeschichte: Der 1937 in Nürnberg geborene Hoffmann, der schon 1963 in der Türkei wegen Waffenhandels verhaftet wurde, gründete 1973 die größte Wehrsportgruppe (WSG), die es in der Bundesrepublik je gab. Bis zu ihrem Verbot am 30. Januar 1980 sollen annähernd 500 militante Rechte auf das Kommando des fränkischen Militärfreaks gehört haben, viele der heutigen rechtsextremen Führungskader sollen bei Hoffmann in die militärische Lehre gegangen sein. Nach dem Verbot seiner WSG wurden bei Hausdurchsuchungen in drei Bundesländern 18 Lastwagenladungen voller Bajonette, Karabiner, Pistolen, Munition, Handgranaten, Stahlhelme etc. beschlagnahmt.

Über die bundeseigene Verwertungsfirma VEBEG hatte der geschäftstüchtige Werbegrafiker aus Nürnberg zudem einen regen Handel mit ausgemusterten LKWs betrieben. Legendär, im negativen Sinne, wurde die »WSG Hoffmann« »durch die Ermittlungen zum Bombenattentat auf das Münchener Oktoberfest am 26. September 1980«. 

Wenig später, am 19. Dezember 1980, wurde der jüdische Verleger und ehemalige Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Shlomo Levin, der vor seinem Tod öffentlich vor der deutschen Neonaziszene und insbesondere Hoffmann gewarnt hatte, mit seiner Lebensgefährtin Frieda Poeschke in ihrer Erlanger Wohnung erschossen.

Auch hier führte die Spur zunächst zu Hoffmann. Der mutmaßliche Schütze war sein engster Gefolgsmann. Am Tatort wurde die Brille von Hoffmanns heutiger Ehefrau Franziska gefunden, die Tatwaffe gehörte dem »Chef«. Die Leiche des Tatverdächtigen wurde später im Libanon entdeckt. Es hieß, er habe Selbstmord begangen. Hoffmann kam damals davon. Einen Mordauftrag konnte ihm niemand nachweisen.

Hoffmann hatte sich nach dem WSG-Verbot mit einer Gruppe von fanatischen Anhängern in den Libanon abgesetzt. Die »Wehrsportgruppe Ausland« sollte vom Palästinenserlager »Bir Hassan« aus weiter kämpfen. Vor Gericht berichteten ehemalige Wehrsportler später von grausamen Folterungen, knallharten Drill und den Plänen Hoffmanns einen Staatsanwalt ermorden zu lassen. Dazu kam es nicht mehr, am 16. Juni 1981 wurde Hoffmann auf dem Flughafen in Frankfurt festgenommen.

Im Januar 1984 verurteilte ihn das Landgericht Nürnberg-Fürth zu neun Jahren und sechs Monaten Haft wegen Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, Geldfälschung und Verstößen gegen das Waffengesetz. »Wenigstens für den Doppelmord von Erlangen hätten wir ihn drankriegen müssen«, schimpft ein Ermittler des bayerischen Landeskriminalamtes noch Jahre später.

1989 wurde Karl-Heinz Hoffmann nach fünf Jahren Haft wegen »günstiger Sozialprognose« entlassen. Ein Gedicht, von ihm im Knast verfasst, machte die Runde: »Die uns den Prozeß gemacht, gehören selbst auf Grund der Taten, in den tiefsten Höllenschacht, um auf ewig dort zu braten«.

Hoffmanns Eroberungszug in Ostdeutschland

Der zweite Aufstieg von Hoffmann begann. Ehefrau Franziska hatte bereits während seiner Haftzeit den Grundstein für ein Firmenkonglomerat gelegt, das später aus bis zu 15 Unternehmungen bestand. Die zweite Karriere des Karl-Heinz Hoffmann belegt, dass der »Chef« niemals der nur von der Gesellschaft isolierte WSG-Gründer war. Hoffmann verkehrte nach Zeugenaussagen in Nürnberg ebenso mit angesehenen Geschäftsleuten und Anwälten wie mit rechten Szenegrößen. Vor seiner Verhaftung war er häufiger Stammgast in den angesagten Lokalen der Stadt. Bereits 1975 bezahlte DVU-Chef Gerhard Frey »aus nationaler Solidarität« seine Gerichtskosten im Wert von 8.000 D-Mark. Hoffmann und seine Frau gründeten Anfang der 90er Jahre Bau- und Sanierungsfirmen und erhielten Aufträge in der noblen Nürnberger Wohngegend Mögeldorf. Eine Bauunternehmerin investierte sogar 25.000 DM in eine Hoffmann-Firma. Eine alteingesessene Unternehmerfamilie beauftragte Hoffmann mit Sanierungsarbeiten andere Nürnberger gaben den Stab weiter. Hoffmann ist wieder wer, er kommt zu Geld.

Als die Grenzen zur DDR fielen, kehrte er zurück ins thüringische Kahla. Dort war er aufgewachsen. Er erhielt sein Elternhaus am Karl-Liebknecht-Platz zurück und errichtete dort Büros und Wohnungen. Geld schien genug da, seine Frau erwarb im Laufe der Jahre drei abrissreife Häuser aus Kommunalbesitz und zehn weitere sanierungsbedürftige Häuser in der Kahlaer Altstadt. Die Hoffmanns sollen bis zum Jahr 2000 zeitweilig rund 20 Angestellte und Arbeiter beschäftigt haben, die Lohnkosten beliefen sich auf 120.000 D-Mark im Monat. Noch 2001 prahlen sie in einem internen Schreiben: »Wir haben in der Kleinstadt Kahla nicht nur 8 Jahre intensive Arbeit und Aufopferung, sondern auch in dieser Zeit weit mehr als DM 10 Mio investiert, ca. 1/3 indem wir westdeutsche Investoren gebracht haben. 2/3 privat finanzierte Mittel«.

Sie eröffnen ihre erste Gaststätte, die »Gerberstube«. Hoffmann lädt die Unternehmer und Selbstständigen der Stadt zu einem Vortrag, stellt sein Konzept vor. Der ehemalige Neonazianführer und seine Frau wollen weitere Häuser kaufen, sanieren und Läden einrichten, die dann von jungen Leuten seiner Wahl weitergeführt werden sollen. Mindestens drei weitere Gaststätten sind geplant, darunter auch ein Tabledance-Lokal in der Altstadt. Und Antiquitätenläden sollen eröffnet werden, erzählt Hoffmann in Kahla, angeblich habe er bereits zwei davon - in Nürnberg und München.

An diesem Abend redete der asketische Mann mit dem prägnanten Zwir­belbart viel und laut, am Eingang stan­den kräftige junge Männer mit Blick auf die Tür und die Gäste. »Seine Bewacher«, raunten Besucher einander zu. Als ein Uhrmacher schüch­tern nach Hoffmanns Vergangenheit fragte, rastete dieser aus. Der Uhrmacher bekam Hausverbot. Dabei freuten sich nach der Wende wohl noch viele »Kahlscher«, wie die Einwohner sich selbst bezeichnen, über den Investor. Es störte sie zunächst nicht, wenn er herrisch über das Kopf­steinpflaster der Altstadtgassen marschierte oder die Geldscheine in grossen Banknoten locker aus der Hemd­tasche zog.

Es waren vor allem die »feinen Herren« mit denen Hoffmann Mitte der 90er in der Stadt auftauchte, die Eindruck schindeten. Sie ka­men in dunklen Mercedes-Limousinen mit bayerischen Kennzeichen und kauften Hoffmanns Häuser, ließen sie sanieren und beauftragten ihn mit der Hausverwaltung. Woher hatte »der Nazi-Hoffmann« überhaupt das Geld für Häuserkäufe? Diese Frage beschäftigte die Menschen im Ort. »Es sind wohl seine Hintermänner, die ihm das Geld geben«, mutmaßte sogar der Bürgermeister.

Ein Bruderpaar aus Bayern fiel besonders ins Auge. Die beiden Herren in Anzug und Trenchcoat tauchten einige Male mit Hoffmann in Kahla auf, erinnern sich viele. Niemand wusste, wer sie waren. Recherchen ergaben: bei dem Älteren der beiden handelte es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Der 58jährige ist Träger des Bayerischen Verdienstordens und Mitglied in der CSU-nahen »Hanns-Seidl-Stiftung«. Nach dem Verkauf von drei sanierten Mehrfamilienhäusern in der Altstadt an das Brüderpaar und einen weiteren bayerischen Investor, sollen Hoffmanns Firmenkonten ungefähr 2 Millionen DM zugeflossen sein, erinnern sich ehemalige Mitarbeiter noch sehr gut. Vielleicht weil Journalisten sich dafür zu interessieren begannen, gingen die Herrschaften aus Bayern später auf Distanz zu den Hoffmanns. Eine Hausverwalterfirma aus Kahla übernahm Hoffmanns Aufgaben.

Dabei war bis zum Jahr 2000 alles blendend für Karl-Heinz Hoffmann gelaufen. Die Gerüchteküche in Kahla brodelte zwar schon, aber das interessierte ihn nicht. Gäste in der »Gerberstube« beobachteten, dass der selbsternannte »Politrentner« eine Gruppe junger Gäste empfing, die sie für bayrische Neonazis hielten. Ende 2000 wurden Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz bei Behördenvertretern in Kahla vorstellig, sie stellten Fragen zu Karl-Heinz Hoffmann. Es gab wieder Kontakte zu alten und neuen Kameraden, z.B. dem ehemaligen WSG-Unterführer Bernd Grett. Der bestätigte, Hoffmann habe ihn, der in den 90er Jahren auch für die sächsische NPD aktiv war, zu einer Gaststätteneröffnung nach Kahla eingeladen. Auch für ein paar Büroangelegenheiten habe man zusammengearbeitet.

Zeitweilig soll es auch gemeinsame geschäftliche Pläne zwischen Wilhelm Tell, Architekt aus Jena und Hoffmann gegeben haben. Tell ist Chef der Republikaner in Jena mit guten Kontakten zu den thüringischen Kameradschaften. Ehemalige Angestellte berichten, dass Hoffmann auch von einem Geschäftspartner namens Anton Pfahler sprach. Hoffmann streitet das ab. Wohlweislich – bei dem ex-WSG-Offizier Pfahler aus der Nähe von Ingolstadt wurden 1999 unter anderem Tretminen, Granaten und Maschinenpistolen gefunden.

Seit Ende 2000 laufen die Geschäfte schlechter, Hoffmann hält sich nur noch selten in Kahla auf. Oft ist er in seinem Schloss Ermreuth bei Erlangen. Dort ist er immer noch ein angesehener Mann. An sonnigen Tagen lässt er es sich nicht nehmen, im weißen Bademantel, den Porsche neben der Schlosstür geparkt, über sein Grundstück zu schreiten.


Die Firmenmitarbeiter in Kahla wurden entlassen. Für die Firmen seiner Ehefrau fühlt sich Hoffmann nicht mehr zuständig. »Die wurden verkauft«, sagt er. In Kahla erzählte man sich: »Ein alter Kamerad von Hoffmann hat die übernommen«. Einigen Justizbehörden in Deutschland ist der »alte Kamerad« – Harald Girke – kein Unbekannter. Nach ihm wird per Haftbefehl u.a. wegen Betruges gefahndet. Girke wurde 2001 kurzzeitig Geschäfts­­führer der Hoffmann-Firmen. Girke gehört zu einem Netzwerk der organisierten Kriminalität, dessen Tätigkeitsfeld Polizeiexperten als »Fir­men­bestatter« be­zeich­nen. Sogenannte Aufkäufer wie Girke werben per Zeitungsanzeige für eine Firmenverlegung nach Spanien. Sie übernehmen marode deutsche Firmen, deren zumeist hochverschuldete Inhaber  horrende Summen an die deut­schen Mittelsmänner in Spanien zahlen. Hun­derte von Pleite-Unternehmen haben Girke und seine Komplizen so außer Landes bringen können. Die deutschen Gläubiger, zumeist mittelständische Betriebe, gehen leer aus. Ein Kriminalitätsbereich, der Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe an­rich­tet.

Ein Stück österreichischer Neonazi-Geschichte

Auch Hans-Jörg Schimanek jun., einer der bekanntesten österreichischen Neonazis in den 90er Jahren, suchte sein Glück in den neuen Bundesländern. Lange Jahre dominierten er und seine militanten Kameraden von der Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition die österreichische Neonazi-Szene. 1992 wurde Schimanek wegen verbotenen Waffenbesitzes und Hehlerei verurteilt. Der lange dünne Mann mit dem vorstehenden Kinn und den blonden Haaren hat beruflich eine Ausbildung als Gebrauchsgrafiker hinter sich. Sieben Jahre diente Schimanek als zeitverpflichteter Soldat beim Bundesheer. Mit zackigem »Front Heil« begrüßte er in einem Schreiben vom 7. Oktober 1991 die Kameraden und lud zu einem »Ausbildungslager der NÖ Kameradschaften« ein. »Dieses Lager steht unter dem Zeichen härtester militärischer Ausbildung. Ich erwarte daher von jedem Teilnehmer höchste Einsatzfreudigkeit und unbedingten Ge­hor­sam«, so Schimanek.

Im September 1994 wird Schimanek verhaftet, ein Jahr später wegen NS-Wiederbetätigung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juni 1999 wird er vorzeitig aus der Haft entlassen. Der Österreicher ging zurück nach Leipzig, wo er seine Tätigkeit im Umfeld der Firma »Baubetreuung für Mitteldeutschland GmbH« (BBM) wieder aufnahm.

Schon 1994 hatte er in dieser Firma Unterschlupf gefunden, deren Geschäftsführer Reinhard Rade da­mals war. Laut Handelsregisterakte war Schimanek (wie auch Rade) im März 1994 Gesellschafter der Leipziger Abbruchfirma Condor Projektentwicklung GmbH. Der dunkle Porsche, den Ex-Wehrsportgruppenchef Hoffmann seit Jahren fährt, »stammt aus dem Fuhrpark dieser Firma«. »Das Auto haben mir Bekannte zur Verfügung gestellt«, brüllte Hoffmann auf Nachfrage ins Telefon. Mit diesen Bekannten will er auch im Baubereich verkehrt haben.

Zur Firma Condor gehörte auch Franz Aigner. Beim Gardesoldaten Aigner sind nach Angaben des österreichischen Magazins Profil im September 1984 Beamte der Sicherheitsdirektion aufgetaucht. Sie suchten ein gestohlenes Sturmgewehr und fan­den statt dessen eine Kartei der »Nationalen Front«, in der die politischen Feinde u.a. mit Vermerken wie »Jude« oder »KPÖ« eingetragen wa­ren.

»Die in Leipzig haben eine rechte Gesinnung, passend zu dem Autokennzeichen vom Porsche«, erzählt ein ex-Mitarbeiter von Hoffmann vorsichtig. L für Leipzig, AH für Adolf Hitler?

Der smarte Yuppie

Einer der ältesten Freunde von Schimanek ist der schon erwähnte Reinhard Rade. Der Jungrechte war während der Wende der »offizielle DDR-Koordinator der Republikaner« und bei Flugblattaktionen und An­wer­be­versuchen in Leipzig beteiligt. Er erzählt stolz, dass seine Großmutter Südtirol-Terroristen Unterschlupf gewährt hatte. Der ehrgeizig junge Mann machte Karriere bei den Republikanern, zog für die Partei in den Kreistag von Bad Tölz und machte sich immer wieder auf den Weg gen Osten. Das Ziel: Leipzig.

Ende 1990 verlässt Rade die Republikaner im Streit. Er betätigte sich aber weiter im rechtsextremen Um­feld. Wie aus Archivunterlagen hervorgeht, vermietete Rade dem Ex-Neonazi Ewald Bela A. mit Vertrag vom 15. November 1990 Räume in seinem Münchener Mietshaus. »Der Mietzins« für Wohnung und Laden im Haus betrug 2.500 DM.

»Natürlich kenne ich die meisten in der rechten Szene«, erzählt Rade grinsend. »Ich überlege auch immer mal wieder, ob ich nicht wieder politisch arbeiten soll«. Aber dann könnte es Probleme mit den Banken bei der Finanzierung von zukünftigen Projekten geben, erzählt er freimütig. Politische Arbeit und das große Geld verdienen, beides gemeinsam sei schwierig.

Natürlich sei er auf dem Balkan gewesen, in Kroatien, aber nicht als Söldner, erklärt der Jungunternehmer lässig. »Ich habe dort Grundstücksgeschäfte gemacht«. Gern rühmt er seine Kontakte auf dem Balkan, einmal habe er sogar Prince Charles auf einer Reise begleitet. Entgegen anderslautenden Pressemeldungen ist Rade nie als Söldner tätig gewesen, sagt er.

Rade sollen in Leipzig »straßenzügeweise« Immobilien gehören, heißt es innerhalb der Bauszene der Stadt. Zu den Immobilien von Rades Firmen zählt u.a. ein verfallenes Schloss im Muldentalkreis. Im Februar 2001 erwarb Rade gemeinsam mit seinem Schwager für 1,9 Millionen Mark die »Öko-Akademie« der Grünen in Oberbayern.

Jüngst landete Reinhard Rade seinen größten Coup. Ähnlich wie Hoffmann früher ist Rade Kunde bei der VEBEG in Frankfurt. Zunächst habe er mit allradgetriebenen LKWs gehandelt, erzählt er. Die habe er ins Ausland verkauft. Im August 2001 habe eine seiner Firmen neun raketenbestückbare, ausgemusterte Bundeswehr­hubschrauber der Marke »Bo 105M« für einen »Spottpreis« von rund einer Million Mark gekauft. Noch fehlt die Ausfuhrgenehmigung, die Hub­schrau­ber stehen im Hangar bei Halle.

Militärkenner Rade erzählt, dass zunächst die Rede davon gewesen sei, die Hubschrauber in den »arabischen Raum« zu exportieren. Jetzt sollen sie nach Namibia gehen. Mitarbeiter für Wartungstrupps habe er genug, prahlt der Yuppie in der beigen Cordbuntfaltenhose. Er sei auf der Suche nach weiterem Fluggerät. Den Hobbypiloten Rade hält nicht mehr sehr viel in Leipzig, denn »der Immobilienmarkt dort ist tot«. Inzwischen hat er seinen offiziellen Wohnsitz nach Südafrika an die wunderschöne »garden route« verlegt und betreibt in Namibia nahe der berühmten Goldmine Navachab eine Flugzeugfirma.

Neben Rade agierte 2001 auch der frühere französische Neonazi und Söldnerkenner Nicolas Peucelle bei der BBM. 1993 wurden beide bei der Einreise an der bayerischen Grenze aufgehalten, da bei ihnen 1200 Hakenkreuz-Aufnäher gefunden wurden. Aber Rade wurde nicht belangt, die Aufnäher bekamen sie später vom Zoll sogar wieder ausgehändigt. Gegen Peucelle soll zur Zeit ein Verfahren vor dem Pariser Militärgericht laufen. Von der französischen Justiz ist dazu lediglich zu erfahren, es gehe um Vorfälle gegen französische NATO-Truppen auf dem Balkan, womöglich um Landesverrat. »Es geht um ein abgestürztes französisches Flugzeug«, erzählt Rade.

Die Rechtsextremisten von einst treten heute als scheinbar seriöse Geschäftsleute auf. Auf die Frage, ob Reinhard Rade und seine Freunde nicht eher den Aufbau einer modernen Söldneragentur planen, bricht der 39jährige in schallendes Gelächter aus. Doch die alten Kameraden kennen und schätzen sich und so manch lukratives Geschäft wird miteinander abgewickelt. Auch für Karl-Heinz Hoffmann geht es wieder aufwärts. Inzwischen ist er Geschäftsführer einer neugegründeten Baufirma in Kahla. Eine zweite Firma wurde im August beim Handelsregister in Gera eingetragen.

Andrea Röpke arbeitet als Journalistin u.a. für die Magazine stern, Spiegel und Focus sowie für die TV-Sendungen Panorama und Frontal 21. Sie hat gemeinsam mit Oliver Schröm das Buch »Stille Hilfe für braune Kameraden« veröffentlicht.
Berny Vogl arbeitet als freier Journalist in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecherche.